Mai 23, 2008...5:19

Gustav: Verlass die Stadt

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Nachdem das mit dem Gästelistenplatz nicht mehr funktioniert hat, musste ich das gestrige Gustav-Konzert leider verpassen. Okay, ich habe es auch verschlafen, das kam erschwerend dazu. Trotz Geldmangels hätte sich die Investition von etwa 15 € sicher gelohnt. Gespannt wartete ich auf die Nachfolgerin von Rettet die Wale, hier ist sie, herzlich Willkommen:

Titel

1 Abgesang
2 Neulich im Kanal
3 Total Quality Woman
4 Soldat_in oder Veteran
5 Alles renkt sich wieder ein
6 Verlass die Stadt
7 At the River’s Edge
8 IFALL
9 Happy Birthday

Ohrwurm absolut war auf dem letzten Album Rettet die Wale, und auch diesmal ist es wieder der dem Album seinen Namen gebende Track, auch wenn er schwerer auszumachen ist: Verlass die Stadt, trotz gemächlichem Tempo. Vielleicht sollte man aber anmerken, dass es sicherlich nicht Gustavs Intention war, Ohrwürmer zu produzieren.

Klingt nach Eva Jantschitsch. Wer das sein soll? Na Gustav! So hätte Eva angeblich heißen sollen, wäre sie ein Junge geworden. Eine befreundete Musikredakteurin meinte auch: Wie MIA., als die noch gut waren.

Daumen in die Höhe für diese wunderbare Wut, die kein lautes Gebrüll braucht. Sanfte Töne, bitterböser Text. Gustav singt, was andere nicht mal zu denken wagen. So wird die vom ersten Album bekannte Linie fortgesetzt, wo es unter anderem hieß: „Bittet selten um Verzeihung / Und füttert Tauben im Park / Und lasst den Kindern ihre Meinung / Oder treibt sie früher ab“
Auch die neuen Lieder sind völlig respektlos, durch und durch politisch und teilweise herrlich ironisch und banal. Vor allem aber immer charmant.

Daumen woanders hin für die Länge mancher Songs. Die geringe Anzahl der Titel rechtfertigt sich in der Länge des Albums. Doch manches Lied dümpelt nach ein paar Minuten vor sich hin und könnte meiner Meinung nach auch einfach früher aufhören (At the River’s Edge). Dafür vielleicht lieber ein zehnter Song, bevor man wieder etwa vier Jahre auf die nächsten neun Titel warten muss…

Zeigefinger in die Höhe für den Mut zur Wut. Ich wiederhole: Eva Jantschitsch scheint es egal zu sein, was beispielsweise du denkst, wenn sie sich nach der nächsten Katatstrophe sehnt. Ob du ihr diesen Wunsch abkaufst oder zu lächeln beginnst. In Zeiten, in denen viele Menschen viel Gesagtes viel zu oft nur noch als puren Ernst wahrnehmen können, nicht bereit sind, für nach möglichen Intentionen forschende Gedankenspiele, freue ich mich persönlich über jede sogenannte politisch inkorrekte Zeile.

Lieblingssongzitat Ich will die Kinder weinen hören / Die Mütter einsam flehen am Grab / Und keine Vögel sollen mehr singen / Nur unsere Melodie erklingen“ (Alles renkt sich wieder ein)

Hörprobe

Kaufen? Na sicher! Und zwar schnell!

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